Ausgezeichnet: Bester Instruktor 2017

HEMA Scholar Awards 2017

Seit 2013 vergibt die Gemeinschaft der Historischen Fechter eine Auszeichnung mit dem Titel “HEMA Scholar Award“. Der Preis hebt Fechtlehrer hervor, welche sich in Forschung und Umsetzung als besonders herausragend gezeigt haben.  Bereits 2014 wurde Jens P. Kleinau für die Publikationen zur als “Erforscher der Fechtkunst” nominiert. Im Jahr 2018 erhielt er den renommierten Preis als “Bester Instruktor”. Der Mitbegründer und Fechtlehrer der Fechtfabrik und Gründer der Neuen Marxbrüder freut sich sehr über diese Auszeichnung. Sein Dank geht an die Jury und an die BegleiterInnen auf seinem Weg in der Fechtkunst, auf internationaler Ebene wie besonders im Verein Zornhau, dem er weiterhin verbunden ist. Wir haben die “Laudatio” unten im Original belassen

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Examinierung

Übungsstände stellen eine gute Orientierungshilfe dar. Da alle Fechter gleichrangig sind, dienen sie ausschließlich dem Feststellen des eigenen Könnens und Wissens. Grundsätzlich finden keine Prüfungen der Übungsstände statt. Fechtlehrer sind befähigt, die jeweiligen Übungsstände der Schüler entlang des Ausbildungsplans festzustellen. Die Stücke zu den jeweiligen Lehren sind genannt und bekannt. Sofern die Schüler diese fechten können und inhaltlich erfasst haben, besitzen sie den notwendigen Übungsstand, um weiter zu machen.

Angebot an alle Fechtschüler

Auch andere Fechtschulen bilden hervorragende Fechter aus. Daher möchten wir gerne allen Fechtern, welche außerhalb des Ausbildungsplans der Fechtfabrik unterrichtet werden, eine Examinierung anbieten. Dies hat einige Vorteile:

  1. Privatunterricht bei einem Fechtlehrer der Fechtfabrik
    Die Examinierung entspricht weitgehend einem 1:1 Unterricht bei einem Fechtlehrer. Wir loten aus, wo es zwingendes oder nur empfehlenswertes Verbesserungspotential gibt. Die Probanden nehmen ein Paket aus Empfehlungen, Anweisungen und Anregungen mit.
  2. Feststellen des eigenen Könnens

Wer nur Vergleiche in Turnieren oder im Sparring erlebt, stellt nicht sein Können in der Kampfkunst fest, sondern nur seine Befähigung mit der jeweiligen sehr künstlichen Situation umzugehen. Doch oft mangelt es Fechtern sogar an solchen Gelegenheiten. Zu erfahren, wie andere erfahrene Fechter das eigene Können sehen, ist sehr wertvoll für die Planung der nächsten Lernschritte.

Anmeldung

Probanden melden sich in dem untenstehenden Formular. Haben sie bisher noch keinen Übungsstand examiniert, so beginnen sie selbst als erfahrene Fechter mit einer Anfrage nach Übungsstand Eins. Die Examinierung stellt fest, ob bereits ein höherer Übungsstand erzielt wurde. Es ist also durchaus möglich, dass Probanden sich für Übungsstand Eins anmelden und mit Übungsstand Drei die Examinierung verlassen.

Kosten

Wir melden uns, um einen Termin und die Kostenbedingungen auszuhandeln. Die Examinierung dauert mindestens 45 Minuten und längstens 90 Minuten. Pro Minute wird eine Gebühr von genau einem Euro erhoben.  Abhängig von der notwendigen Umgebung entstehen dem Probanden Umlagen wie Hallenmiete oder auch nicht. Dies ist jeweils individuell zu vereinbaren. Ziel ist die Kostenminimierung für den Probanden.

Verbindliche Terminvereinbarung

Es wird ein Termin vereinbart. Dieser ist verbindlich und die Kosten von mindestsens 45 Minuten und den Umlagen müssen vom Proband getragen werden, selbst wenn dieser nicht am Termin erscheint. Es entstehen keine Kosten, sofern die Fechtfabrik den Termin aus gewichtigen Gründen nicht wahrnehmen kann.

Examinierung

Die Examinierung durch den Fechtlehrer erfolgt an dem vereinbarten Termin. Der Proband kann diese aufzeichnen und privat für sich verwenden. Eine Veröffentlichung ist untersagt. Diese Aufzeichnung soll ihm dienen, noch lange von der Examinierung zu profitieren.

Ergebnis

Der Proband erhält, sofern gewünscht eine Bestätigung, welcher Übungsstand sein Können und Wissen entspricht.





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Ausbildung zum Turnierfechter

Rebecca Glass at Longpoint Tournament 2016

Turnier und Wettbewerb sind spaßige und herausfordernde Veranstaltungen für Sportler. Der Wettkampf ist Nervenkitzel und ein Test der erworbenen Fähigkeiten für Fechter. Wir empfehlen den Besuch und die Teilnahme an Turnieren für jeden Fechter. Auch regen wir an, sich als Kampfrichter auszubilden und zu üben, um die sozialen Verpflichtungen in der Fechtergemeinschaft ausüben zu können.

Medaillen

Doch Fechter der Fechtfabrik werden nur in Ausnahmefällen Medaillen erringen können. Denn das Turnierwesen läuft dem Ausbildungskonzept der Fechtfabrik zuwider.

Ziele einer Ausbildung als Turnierfechter sind

  • Beherrschung der Regeln
  • Beherrschung von wenigen Techniken zur Turnierreife
  • Excellenz in ausgewählten Bewegungsmustern zur Wettkampfoptimierung

Ziele einer Ausbildung als Fechter in der Fechtfabrik sind

  • Beherrschung der Gewalt
  • Beherrschung der Prinzipien der Kampfkunst
  • Excellenz in Ausübung und Weitergabe der Historischen Fechtkunst entsprechend der Quellen

Auch einem Laien wird sich die Unvereinbarkeit dieser Ausbildungsziele erschließen. Eine serielle Ausbildung ist denkbar, auch eine parallele und daher in beiden Aspekten unbefriedigende ist möglich. Doch empfehlen wir dies keinesfalls.

Unterstützen aber nicht regulär ausbilden

Wir sehen die positiven sozialen Aspekte des Turnierwesens und des sportlichen Wettkampfes und möchten diese unterstützen. Zur Zeit sehen wir jedoch davon ab, eine Ausbildung als erfolgreichen Turnierfechter im Rahmen des regulären Unterrichts durchzuführen.

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Meisterprüfung

Meisterbrief

Ein “Meister der Neuen Marxbrüder von Frankfurt am Main” ist ein von anderen Fechtern empfohlener Fechter, der eine Prüfung bestanden hat. Die Prüfungsordnung basiert weitestgehend auf historischen Quellen. Dies ist wesentlich für eine Fechtkunst, welche sich auf historische Quellen beruft.

Der Wert und die Akzeptanz der Zertifizierung hängen vom Schwierigkeitsgrad der Prüfung, der Reputation der Prüfer, der Transparenz der Methode und der Nachvollziehbarkeit ab.

Es ist der erklärte Wille der Neuen Marxbrüder, die beste Qualität bei der Testdurchführung zu gewährleisten und die Einsätze hoch zu halten. Der Test soll als eine Herausforderung für diejenigen angesehen werden, die sich selbst testen wollen, um bessere Lehrer zu werden. Diese Prüfung dient keinesfalls dazu, Fechter über andere Fechter zu stellen.

Die Umsetzung des Prozesses braucht den guten Willen aller beteiligten Personen. Dies sind die Schritte durch das Prüfungsprogramm.

I. Bewerbung

  1. Eignungsanfrage
    Bewerber fragen unverbindlich an, ob sie seitens des Prüfer geeignet sind. Dazu verfassen sie ein Anfrageschreiben mit folgenden Inhalten:
  2. Anfrageschreiben
    1. Name
    2. Fechtschule oder Verein des Antragstellers
    3. Historische Quellen, aus welchen die Kunst entnommen wurde
    4. Eine bevorzugte Waffe, die getestet werden soll
    5. Eine Kampfkünste-Vita, die mindestens folgendes praktisches Expertenwissen dokumentiert
      • fünf Jahre Praxis in historischen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Ausbilder)
      • drei Jahre als Fechtlehrer oder Trainer im Historischen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten von drei Schüler)
      • acht Teilnahmen an Klassen bei internationalen oder nationalen Veranstaltungen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Ausbilder)
      • einen Workshop oder Seminar gehalten bei internationalen oder nationalen Veranstaltungen Fechten (mit je dem Namen und Kontaktdaten der Veranstalter)
      • optional: Turnierteilnahmen und -erfolge
    6. Persönliche Vorstellung
      Bewerber stellen sich persönlich bei den Prüfern vor und zeigen ihr Können.
    7. Virtuelle Vorstellung
      ein Video der Fecht- und Lehrfähigkeiten (jeweils 5-10 Minuten lang unter Verwendung einer Video-Upload-Plattform, das Video kann, muss aber nicht öffentlich sein)
    8. Eine Aussage von zwei Lehrern, die für den Antragsteller sprechen
  3. Annahme oder Ablehnung der Bewerbung
    Die Jury der Marxbrüder bestehend aus drei Meistern oder Gründern wird daraufhin nach einigen Tagen eine Antwort senden. Die Antwort enthält ein einfaches “Ja” oder eine vernünftige Antwort für ein “nicht jetzt”.
  4. Probezeit
    Nach Annahme der Bewerbung kann nun der Titel „Angelobter Meister“ verwendet werden.
    Die „Angelobten Meister“ haben ein Jahr Zeit, sich in Frankfurt am Main zur Prüfung einzufinden und ihre Prüfung abzulegen. Diese besteht aus Theorie und Praxis.

II. Die Prüfung

  1. Prüfung der Theorie
    Jeder Meister sollte in der Lage sein, einen zentralen Aspekt der Kunst theoretisch zu erklären. Zu diesem Zweck senden die „Angelobten Meister“ einen Aufsatz ein, der aus mindestens 1500 und höchstens 5000 Wörtern besteht.

    • Veröffentlichung
      Die Sprachqualität dieses Aufsatzes sollte gut genug sein, um auf der Gemeinschaftsplattform veröffentlicht zu werden. Die Veröffentlichung auf einer solchen Plattform ist verpflichtend.
    • Rezension
      Der Aufsatz wird überprüft und sollte gegebenenfalls überarbeitet werden. Die Qualität des Inhalts sollte gut genug sein, um in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht zu werden.
    • Abnahme
      Der Überprüfungsprozess wird nicht mehr als drei Entwurfsversionen zulassen. Wenn das Qualitätsniveau nach dem 3. Entwurf nicht erreicht wird, ist der Antrag auf den Titel “Meister der Neuen Marxbrüder von Frankfurt am Main” verloren und kann nur nach Ablauf eines Jahres erneuert werden.
      Wurde die Qualität erzielt, so ist die Theorieprüfung abgenommen und bestanden.
  2. Praktische Prüfungen
    • Termin
      Die „Angelobten Meister“ müssen sich binnen eines Jahres zur praktischen Prüfung in Frankfurt am Main bereitstellen. Sollte seitens der Marxbrüder eine Verzögerung stattfinden, geht dies nicht zur Lasten des Prüflings.Der Termin für die Präsentation wird in bilateralem Interesse sein (Ziel der Gemeinschaft ist es, alle zwei Jahre eine Testveranstaltung zu veranstalten). Kann die Community innerhalb eines Jahres keinen Test anbieten, verlängert sich der Titel des „Angelobten Meisters“ um ein weiteres Jahr.
  3. Teil 1 Prüfung der praktischen Kampfkünste
    1. Es werden je drei Fechtgänge gegen erfahrene Fechter in jeder der folgenden drei Reichweiten bewertet. Diese Reichweiten werden unabhängig von der bevorzugten Waffe des Antragstellers getestet. Sie werden als Fundament der historischen europäischen Kampfkünste verstanden.
      – Reichweite Nah: unbewaffnet oder Dolch
      – Reichweite Mittel: Einhandwaffe oder Einhandwaffe & Schild
      – Reichweite Weit: Zweihandwaffe oder Stabwaffe
    2. Die Länge jedes Fechtgangs beträgt zwei Minuten. Mindestens drei verschiedene Fechter werden als Prüfungspartner für den Antragsteller auftreten. Zwischen den Kämpfen in jeder Kategorie gibt es nur die notwendige Pause, um den Partner zu wechseln. Wenn sich die Kategorie ändert und dadurch auch die Waffen, wird die Pause so kurz wie möglich sein, gerade genug Zeit, um einen Schluck Wasser zu nehmen, und etwas Schutzausrüstung hinzufügen (Ringen und Dolch werden nicht in der gleichen Schutzausrüstung wie Zweihandwaffen durchgeführt).
    3. Jeder Fechtgang beginnt und endet mit einem richtigen Gruß. Das Ende wird von einem Mitglied der Jury einberufen. Jeder Kampf wird von zwei “Grießwarten” überwacht, die den Schlagabtausch sichern. Sie unterbrechen den Kampf, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist. Die Sicherheitsrichtlinien sind: so viel Schutz wie nötig, so dass jeder eine sehr gute Chance hat, gesund nach Hause zu kommen, ohne schwerere Blessuren als Kratzer und Blaue Flecke (aber nicht ohne sie solche Blessuren).
    4. Der Bewerber muss nicht alle oder einige dieser Kämpfe gewinnen, sondern muss die Verwendung der Kunst demonstrieren. Die Jury wird sich um die Zurschaustellung von guten Taktiken, den Einsatz von Techniken, den Siegeswillen und den ungezügelten Kampf, eine gute Beinarbeit, das Verständnis der Begriffe Entfernung, Winkel und Höhen usw. kümmern. Der Bewerber muss Exzellenz zeigen während der gesamten Dauer von 24 Minuten, und kontinuierlich auf einem konstant hohen Niveau fechten.
  4. Teil 2: Prüfung der Lehrfähigkeiten
    • Die Tests zur Lehrfähigkeit werden mit der im Antrag als bevorzugt genannten Waffe durchgeführt.
    • Die „Angelobten Meister“ müssen eine mindestens 10 Studenten umfassende Lehrveranstaltung unterrichten (Dauer ca. 60 Minuten). Von den Studenten sind maximal drei dem Probanden bekannt. Die Studierenden werden interviewt und sollen nach dem Unterricht das Gelernte der Jury vorführen. Die Jury wird die Klasse beobachten.
    • Darüber hinaus müssen die „Angelobten Meister“ eine 1: 1 Unterrichtssituation mit einem erfahrenen Schüler durchführen (Dauer ca. 30 Minuten). Es wird bevorzugt, einen Schüler mit guten Kenntnissen und Trainingshintergrund in der getesteten Tradition und Waffe zu haben. Wiederum wird der Student nach dem Test interviewt und soll zeigen, was er / sie gelernt hat.
    • Der Bewerber wird nach dem Wissen seiner Lehrfähigkeiten befragt. Diese Fragen decken die praktische Umsetzung von theoretischem Wissen zu allgemeinen Sporttrainingsthemen wie Übungen, Fitness, Muskelentwicklung, Vermeidung von Verletzungen, Sicherheit, Erste Hilfe und Unterricht ab.
      HINWEIS: Bei Besitz einer Trainier Lizenz C eines anerkannten Sportverbandes entfällt dieser Punkt.
  5. Teil 3: Prüfung des praktischen Wissens
    • Die „Angelobten Meister“ müssen demonstrieren, dass sie tiefe Kenntnis der Kunst besitzen und dieses Wissen an andere weitergeben können. Sie müssen fachliche Fragen beantworten, die nur von einem absoluten Experten dieser Kunst beantwortet werden können. Die Antworten müssen auch mit der Waffe gegeben werden und können nicht nur durch Worte erreicht werden.
    • Die Antworten müssen nicht mit der allgemeinen Meinung oder der Meinung der Jury übereinstimmen, sondern müssen logisch sein, in einer praktischen Situation anwendbar und außerdem mit allgemeinen Kampfkunstkonzepten kompatibel sein. Der Antragsteller muss seine Quellen sehr genau kennen, um diesen Test zu bestehen.
    • Die Dauer dieser Prüfung und die Anzahl der Fragen sind nicht festgelegt. Dies hängt durchaus von der individuellen Fähigkeit zur Präsentation ab. Daher möchten wir niemanden benachteiligen, dem das Talent zum Showmaster nicht gegeben ist.

 

III. Ergebnis der Prüfung

Siegel der MarxbrüderNach Bestehen der Prüfung erhält der „Angelobte Meister“ einen Meisterbrief und kann sich sofort „Probierter Meister nennen“.

 

Historische Quellen zur Prüfung

Frankfurter Fechter Ordnung von 1491 in Cod.I.6.2.5 (Universitätsbibliothek Augsburg, Germany) transkribiert von Olivier Dupuis.

8v So man New maister machen wil so soll man jne vormenigclichen furstellen vnd Fechten lassen jn welcher werhe Er begert mayster zuwerden vnd die mayster sollen auch alle mit jme Fechten jglicher zum minsten 2 oder 3 geng, vnd jn Offenlich vnd wol versuchen vnd daruach (sic) zu jrem gut duncken zu mayster machen, vnd als dann so der mayster auff das Schwerdt nider kniet soll Er vnser lieben Frawen zwen s auff das Schwerdt Opffern vnd legen, die hebt ain haubtman auff Darnach soll man jne haimlichen versuchen jn dem Capitl darzu soll der haubtman 2 oder 3 maister schicken die jne versuchen jn welcher gewehr Er dann von den selben maystern zu gelassen wurd Darin sol man jn mayster machen vnd Er sich Einem mayster Schreiben vnd Nenen vnd nit weitter jn seinen Brieff geschriben werden /.

15v (nach 1530) Jttem so Ein Newer maister fürsten will vnnd begert maister zu werden soll Er zuuor seine articul vorbenent vor dem haubtman gnugsam beweren vnnd hie stelen dem nach so soll Er Offentlichen fürgestelt werden vnnd jn seiner Kunst vnnd maisterschafft gebrauchen vnnd brobiern lassen vor aller menigclich vnnd welcher sein begert auff freÿer walstat doch jnn Freÿer kunst dem selbigen soll Er zu willen werden vnnd mit Einem jeden zwen geng One abschlag. zu willen sein, vnnd ob Es sach were das Er solch kunst gebraucht, vnnd vnuerlegt nach Erkantnus des Haubtmans vnnd gemainer maister bestat, als dann soll Ein jeder maister Einen ganng mit dem Schwert thon vnnd jne wol versuchen als vil maister so verhanden weren vnnd wer Es sach das Er solch maÿster der Kayserlichen Freihait gnugsam wid<er>standt, thette vnuerlezt so soll Er dar nach Offentlich seinen aid thun vor allermenigclich.

15r Nach den stucken wie hernach geschriben vnnd were Es sach das Er solcher stuckh nit bericht were so soll Er nit zu maister zugelassen werden So lanng bis Er solch stuckh Recht vnnd Redlich Vor dem haubtman Vnnd Etlichen seinen mittbrudern, die dann der haubtman darzu Erforscht, bewert

hat, vnnd als dann so Er solch Stuck gnugsam Brobiert hat darnach soll Er vor ainer gannzen gmain brobiert vnd bewert worden vnd sunst gar nicht zu gelassen werden soll. 

Zum Ersten Soll jn der haubtman versuchen jn dem jn der 5 verborgne hawe Erforschen [au]ch jm als Einfach, zwaifach vnd dreifach vnd darnach jn der anndern wöre des Tußacken auch also des gleichen jn der Dritten wöre der stanngen soll er auch versucht werden, wie jm Schwerdt.

Zum anndern soll er auch Brobiert werden jn den Sechs maister hawen Schwech vnnd Sterckh vnnd schweche vnnd darnach Oberhaw zoren Ort jm trawer, darnach sterckhe jn den krumbhaw mit abschneidung darnach Schiller denen heien mit Schottler darnach zwirch haw zucken vnd treffen vnd stesten35 darnach den alber der versazung vnd die Brob jm dolchen seÿs vnnd Bruch, zwen stich Oben zwen stich vnnden zwen stich zu der seitten Linckh vnnd Recht zu der Ober blosse /

Jttem Welcher maister solch vorbenante prob vnd stuckh nit hette der Soll An keinem thail des maister gelt oder Schlul (sic) gelts haben, bis so lang vnnd vil bis Er solchs gelernt ohn alle zu Rede keinen thaill neme/.

Fechtgedicht von Roesner 1589:

Wer nun Meister sein will des Schwerts / In diesem Ritterlichen schertz / Derselb in der Herbst mess allein / Zieh hin gen Franckfurt an den Meyn /

Alda wird er Examinirt / Von den Meistern / des Schwerdts probirt / In allen Wehren / hie berürt / Was einem Meister zu gebürt. Fechtens Kunst / den verborgnen Kern / Kan er das Meisterlich gewern / Als denn man ihn zum Meister schlecht / S. Marxen Brüderschaft empfeht.

Matthias Quad von Kinckelbach in Cologne in 1609 “Teutscher Nation Herligkeit” 

Hie ist auch weiter zu mercken/ das in der Franckfurter Messen die Fechtmeister zu Franckfurt gewalt haben andere Fechtmeister zu machen/ und ihnen die Titel der Meisterschaft zu geben/ und ist solches den Franckfurtern Burgern fur ein sonderlicher freiheit von den Röm. Künigen gegeben worden/darumb so mag keiner an einem andern ort den nahmen eines Freifechters uberkommen und erlangen allein zu franckfurt.

 

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Schulordnung

Schulordnung der Marxbrüder

Für alle Veranstaltungen, also Unterricht, Wochenunterricht, Seminare, offene Übungseinheiten und Vorführungen allgemeiner Art gelten eine Reihe von verbindlichen Regeln, die zum Ersten den im Deutschland geltenden Waffengesetz Rechnung tragen, zum Zweiten zu jeder Zeit die Sicherheit der Fechtenden und möglicher Zuschauer gewährleisten. Dies mag umständlich erscheinen, sollte aber langfristig unserem Hobby zum Vorteil gereichen.

Jedem Historischen Fechter muss klar sein, dass wir Historischen Fechter als soziale Gruppe einen Ruf zu verlieren haben. Was der einzelne Historische Fechter macht, färbt immer auf die gesamte soziale Gruppe ab.

Bei Zuwiderhandlung kann ein Platzverweis/ Platzverbot oder Hausverweis/ Hausverbot ausgesprochen werden.

Allgemein

Entsprechend des Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und der Satzung der “Neuen Marxbrüder” wird niemand aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität benachteiligt. 

Gründe für den Ausschluss vom Unterricht
 – drohender ökonomischer Schaden/Nachteil bzw. Nicht-Erfüllen des Vereinszwecks (weil beispielsweise aufgrund der Anwesenheit Personen andere Besucher sich entfernen bzw. gar nicht erst kommen)
–  die Belästigung und Bedrohung von anderen Teilnehmern
– die Gefahr der Begehung von Straftaten etwa im Umgang mit Übungswaffen
– den Veranstaltungszweck störendes Verhalten

Der Veranstalter ist für die Durchsetzung des Hausrechts verantwortlich und wird davon Gebrauch machen.

Eine Unterrichtsverpflichtung entsteht nicht aus dem Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz  oder der Satzung. Sollte aus praktischen oder sozialen Gründen, eine Teilnahme aus Sicht des Fechtlehrers nicht empfehlenswert sein, so kann er die Unterrichtung ablehnen. Der Betroffene kann dies dem Vorstand melden, der die letztendliche Entscheidungsgewalt hat.

Waffengesetz

Es ist für jeden sehr wichtig sich mit dem geltenden Waffengesetz und der allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Waffengesetz (WaffVwV) vom 5. März 2012 (nach Artikel 84 Absatz 2 des Grundgesetzes) vertraut zu machen. Dazu muss man kein Jurist werden, sondern eine Reihe von Grundregeln beherzigen. Denn Unkenntnis schützt in Deutschland nicht vor Strafe.

So können wir ein Verstoß gegen das Waffengesetz vermeiden. Auch können wir mit einigen einfachen Verhaltensweisen lästigen Missverständnissen, die das Historische Fechten betreffen können, zuvorkommen. Langfristig sichern wir damit also unser Hobby.

Ein Verstoß gegen das Waffengesetz führt zu sofortigem Ausschluss aus der Veranstaltung und Hausverweis.

Einnahme von Drogen und Medikamenten

 Jede Einnahme von Drogen vor oder während der Veranstaltung ist streng untersagt. Der Schulleiter oder Veranstalter ist über jede Art von Krankheit, Medikamenteneinnahme oder Behinderung zu unterrichten, damit er die Übungen an den Übenden anpassen kann. Wenn ein Übender während den Übungen seine Leistungsgrenze erreicht, muss er dies unverzüglich dem Übungsleiter mitteilen, damit dieser darauf angemessen reagieren und dem Übenden Hilfestellung geben kann.

Alterseinschränkung

Für das Fechten mit stählernen Fechtwaffen gegeneinander und in Partnerübungen gilt ein Mindestalter von 16 Jahren. Jugendliche ab dem vollendeten 15. Lebensjahr können teilnehmen, wenn eine schriftliche Einverständniserklärung des Personensorgeberechtigten vorliegt (Eltern oder Erziehungsberechtigte).

Kinder und Jugendliche fechten gegeneinander und in Partnerübungen mit Polster-, Leder oder Holzwaffen. Soloübungen können auch mit Stahlwaffen durchgeführt werden.

Schutzkleidung

Für den Unterricht im Fechten sind Schutzkleidungen wie Fechtmaske und Schlagschutz teils notwendig. Für die Teilnahme an Turnieren und Wettbewerben gelten gesonderte Bedingungen. Den Anweisungen des Veranstalters ist betreffend Schutzkleidung immer Folge zu leisten.

Sportgeräte und Fechtwaffen

Fechtwaffen sind keine Hieb- und Stoßwaffen im Sinne des Waffengesetzes, sondern Hieb- und Stoßwaffen nachgebildete Gegenstände. Fechtwaffen verfügen über abgestumpfte Spitzen und stumpfer Schneiden, sie sind offensichtlich nur für den Sport und zur Brauchtumspflege geeignet. Pfeile für den Bogensport verfügen über stumpfe Gummispitzen.

Verhaltensregel beim Transport von Fechtwaffen

Fechtwaffen sollte man nicht blank transportieren – so beugen wir Missverständnissen vor. Das ist kein Muss, aber es hilft unnötigen Problemen aus dem Wege zu gehen. Das trifft weniger auf den Transport im eigenen Auto zu, als der Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Fechtwaffen sollen in geschlossenen Behältern von einem Ort zu einem anderen Ort befördert werden (Geschlossene Sporttasche, Anglertasche, HT-Rohr Behältnis usw.). Auch wenn diese keine Waffen im Sinne des Waffengesetzes sind, so können sie als Anscheinswaffen interpretiert werden oder als Keulen genutzt werden. Wir empfehlen daher dringend, die Fechtwaffen unzugänglich zu transportieren.  Als “zugriffsbereit” nach Richterauffassung gilt es in Deutschland, einen Gegenstand in höchstens 3 Sekunden oder mit drei Handgriffen breit zu machen zu können, also in der Hand zu halten.

Ein geschlossener Behälter ist z.B. ein geschlossener Koffer oder eine geschlossene Tasche, also ohne Schloss oder eine andere Sicherung gegen einen Zugriff. Ein verschlossener Behälter ist ein geschlossener Koffer oder eine geschlossene Tasche, an der zusätzlich ein Schloss oder eine andere Verschlusseinrichtung angebracht ist (z.B. Zahlenschloss oder Kabelbinder), die einen Zugriff verhindert. Eine geschlossene Tasche gilt als “zugriffsbereit”. Eine verschlossene Tasche gilt als “nicht zugriffsbereit”.

Verhaltensregeln

Niemals mit der Polizei oder sonstigen zur Personenkontrolle Befugten diskutieren. Wenn es Probleme mit der Rechtsauffassung gibt, dann schreibt man sich den Namen des Beamten auf, notiert Ort, Datum und Zeit, sowie dessen Personalnummer und übergibt die Sache seinem Anwalt. Beim Anwalt wird ein einfacher Anruf in der Dienststelle zumeist genügen. Wenn Gegenstände beschlagnahmt werden, dann lässt man sich eine Quittung ausstellen, mit Namen des Beamten, Ort, Datum und Zeit. Beamte können rechtlich in der Ausübung ihres Amtes nicht illegal handeln – aber sie sind nach dem Grundgesetz an die Gesetze gebunden. Somit bleibt uns der Rechtsweg offen.

Hieb- und Stoßwaffen im Sinne des Waffengesetzes

Hieb- und Stoßwaffen im Sinne des Waffengesetzes sind im Unterricht oder bei Veranstaltungen nur unter folgenden Regelungen zulässig.

Die Hieb- und Stoßwaffen sind für Sport- und Brauchtumspflege zugelassen. Genaueres regelt das Waffengesetz.

Wenn durch den Veranstalter, der das Hausrecht ausübt, das Führen von scharfen Hieb- und Stoßwaffen im Unterricht oder bei einer Veranstaltung auf seinem befriedeten Besitztum ausdrücklich erlaubt wird, dann sind Hieb- und Stoßwaffen nicht zugriffsbereit von einem Ort zu einem anderen Ort zu befördern. Dazu ist ein verschlossenes Behältnis erforderlich (verschlossener Waffenkoffer, verschlossene Waffentasche).

Wenn scharfe Hieb- und Stoßwaffen im Rahmen einer Veranstaltung nach ausdrücklicher Erlaubnis des Veranstalters, der das Hausrecht ausübt, geführt werden, dann muss auf dem befriedeten Besitztum dafür ein eigens ausgewiesener Waffenstand bereit gestellt werden. Dieser Waffenstand muß abgesperrt werden und sich mindestens 5 Meter in jede Richtung weit erstrecken oder räumlich vom Rest der Veranstaltung getrennt sein.

Wenn scharfe Hieb- und Stoßwaffen im Rahmen einer Veranstaltung geführt werden, dann muss immer eine vom Veranstalter benannte Person als Standaufsicht fungieren, die an der Vorführung nicht teilnimmt und die Vorführung überwacht. Den Anweisungen der Standaufsicht ist immer Folge zu leisten.

Verhaltensregeln

Hieb- und Stoßwaffen darf man nicht führen – es sei denn der Veranstalter, der das Hausrecht ausübt, gibt auf seinem befriedeten Besitztum die Erlaubnis dazu. Als Hieb- und Stoßwaffen gelten alle Blankwaffen mit scharfer Schneide oder spitzer Spitze. Bei öffentlichen Veranstaltungen gilt ein generelles Verbot des Führens von Hieb- und Stoßwaffen. Die Polizei kann darüber hinaus in besonderen Gebieten das Führen von erlaubten Gegenständen (z.B. Messer mit feststehendem Blatt bis 12 cm, keine Waffeneigenschaft in der Formgebung) im Zuge der Verbrechensvorbeugung verbieten (z.B. Flughäfen oder Bahnhöfe).

Führen bedeutet die tatsächliche Gewalt über eine Hieb- und Stoßwaffe zu haben, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen. Führen kann man eine Hieb- und Stoßwaffe rechtlich nur außerhalb seines eigenen befriedeten Besitztums. Zu Hause kann man also rechtlich eine Hieb- und Stoßwaffe nicht führen, die eigene Wohnung ist ein bevorrechteter rechtlicher Raum, der besonderen Schutz genießt.

Wenn man Hieb- und Stoßwaffen in einem verschlossenen Behältnis transportiert, dann muss man immer Personalausweis oder Pass mit sich führen, um sich ausweisen zu können. Versäumt man dies, dann wird man wahrscheinlich vorläufig festgenommen werden, oder die beanstandeten Gegenstände werden beschlagnahmt – damit ist der Personalausweis oder Pass dienlich, um Probleme zu vermeiden.

 

 Bei einer Kontrolle durch die Polizei (oder anderer zur Personenkontrolle Befugte) außerhalb seines eigenen befriedeten Besitztums sollte man nicht das verschlossene Behältnis, in dem man eine Hieb- oder Stoßwaffe transportiert, selber öffnen – denn dann führt man rechtlich die Hieb- oder Stoßwaffe – sondern den Befugten das Behältnis öffnen lassen (z.B. beim Transport einer Waffe in einem verschlossenen Behältnis im Kofferraum seines Autos). Will dieser das nicht, so informiere man ihn/sie über den Inhalt und hole sich die ausdrückliche Erlaubnis zum Öffnen.

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Ausbildung zum Fechtmeister

Meister des Langen Schwertes Cod 1.6.2.5

Die Ausbildung eines Lehrers ist das höchste Ziel eines Lehrers. So kann Wissen nicht nur tradiert, sondern multipliziert werden. Wir bieten eine Struktur an, die für jeden nachvollziehbar und verständlich ist.

Ein Lehrer ist laut Duden „jemand, der aufgrund seines Könnens Ausbilder in sportlichen Disziplinen ist“. In der Fechtfabrik unterrichten Fechtlehrer aufgrund ihres Könnens. Ein Lehrer ist kein geschützter Begriff, somit kann sich jeder Fechtlehrer nennen. Wir wollen ein transparentes und glaubhaftes Angebot schaffen, um Qualität erkennbar zu machen.

Parallele Lizenzierung

Wir unterstützen die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen der Landessportverbände. Das ermöglicht uns, die Konzentration auf die Historische Fechtkunst. Eine Ausbildung zum lizensierten Übungsleiter oder Trainer ist somit zweigleisig. In der Fechtfabrik wird Historisches Fechten als Können bis hin zur Meisterschaft vermittelt. Die Lehrinhalte eines lizensierten Trainers sind in den entsprechenden Verbänden einzuholen.

Eine verpflichtende Zertifizierung ist nicht vorgesehen. Wir stellen die Zertifizierung frei und sprechen ausschließlich die parallele Zertifizierung als Empfehlung aus.

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Ausbildung zum Fechter

Lehrplan

Fechter im historischen Verständnis sind Kämpfer. Sie beherrschen den versachlichten Umgang mit körperlicher Gewalt. Der Mittelpunkt der Ausbildung ist es somit, körperliche Gewalt zu verstehen und zu beherrschen.

Drei Reichweiten

Die Kunst benötigt eine Basis der drei Reichweiten

  • Reichweite Weit
    Langes Schwert und Stangenwaffen stellvertretend für keinerlei körperlichen Kontakt
  • Reichweite Mittel
    Langes Messer, Schwert mit Buckler, sowie Dussak stellvertretend für den flüchtigen Kontakt mit Armen und Beinen
  • Reichweite Nah
    Ringen und Dolch stellvertretend für den engen körperlichen Kontakt

Erst wenn die Prinzipien auf alle drei Reichweiten anwendbar sind, sind sie verinnerlicht. Daher unterrichten wir grundsätzlich alle Reichweiten in den Übungsständen. Für die erste verwenden wir das Ringen und Dolch, für die zweite Reichweite nutzen wir das Lange Messer und Schwert mit Buckler, sowie auch den Dussak. Die weiteste Reichweite wird durch das Lange Schwert und die Halbe Stange abgedeckt, vereinzelt kommen auch die Lange Stange und der Lange Spieß zum Einsatz.

Brücken bauen

Dabei nutzen wir auch die Brücken zwischen den Reichweiten, die in den jeweiligen Lehren eingeflochten sind. So enthält auch das Lange Schwert einhändigen Einsatz und auch Ringen, die Anzahl der Ringtechniken im Langen Messer ist beeindruckend. Die Reichweiten werden überlaufen, übersprungen, überbrückt und durchlaufen. Alle Lehren greifen ineinander über und vermitteln dasselbe Fundament und dieselben Prinzipien.

Eine Wehr oder mehrere?

Es lassen sich alle Reichweiten auch mit einer einzigen Wehr oder waffenlos üben und erlernen. Die Frage womit sich welche Reichweite am besten lernen lässt, haben die alten Meister schon vor Jahrhunderten beantwortet. Daher sprechen wir uns dafür aus, der Empfehlung der Fechtbücher zu folgen und Ringen/Dolch, Langes Messer/Schwert und Buckler, Langes Schwert/Halbe Stange zu lernen und die Übungsstände darin zu erwerben.

Übungsststände

In der Fechtfabrik ist die fechterische Ausbildung nach Übungsstand gegliedert. Dies geschieht, um die Teilnehmer nicht mit Übungen zu überfordern, die verwirrend sind und nicht dem Lernfortschritt dienen. Die Gliederung ist nicht streng, so werden zu Wiederholungszwecken auch Übungen aus niedrigeren Übungsständen durchgeführt. Auch wird man regelmäßig in den folgenden höheren Übungsstand hineinschnuppern. Aber Übung ohne Struktur ist kein Lernen sondern Ausprobieren.

Entstehung der Struktur

Die Struktur ist nicht von uns erfunden, sondern das Ergebnis jahrhunderter Jahre Erfahrung von Fechtmeistern und ihrem Unterricht. Wir verwenden die gleiche Lehrstruktur, wie sie in den Fechtbüchern – also den Lehrbüchern – vorgegeben ist. Das geschieht nicht aus Einfallslosigkeit, sondern weil es dem Lernerfolg am besten dient. Vergleiche mit anderer Methodik, selbst aus modernen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen, hält diese Lehrstruktur nicht nur stand, sie übertrifft sie in Manchem sogar.

Wir haben die Übungsstände entlang der Lehre Liechtenauers aufgebaut, da diese zentraler Bestandteil der europäischen Fechtkultur ist. Auch in anderen Lehren aus anderen Kontinenten findet sich fast exakt die gleiche Struktur wieder. Sie ist allgemeingültig und die Verwendung der Begriffe Liechtenauers wären austauschbar. Die Nähe zur deutschen Sprache empfiehlt es, die historische Begrifflichkeit zu verwenden.

Individuelle Entwicklung ohne Rangabzeichen

Einen Zeithorizont stellen diese Übungsstände nicht dar. Der eine Fechter mag dafür Wochen brauchen, der andere Monate oder Jahre. Da kein Rang, kein Gürtel, kein Abzeichen diese Übungsstände markiert, ist jeder Fechter bei uns gleich. Die einzigen „Ränge“ in der Fechtfabrik sind sozialer Struktur: der Vorfechter zeigt Fechtstücke zum besseren Verständnis, der Mentor leitet andere Fechtschüler an. Allein die Bereitschaft andere Schüler zu unterstützen adelt den Fechter.

Übungsstand Eins

Der erste Übungsstand widmet sich dem Gewinnen des „Vor“ aus den Fünf Wörtern Liechtenauers durch das „Nach“ im „Indes“. Es geht darum, das „Vor“ zu verstehen und wie darin gefochten wird, sowie es im Zufechten gewonnen oder aus dem „Nach“ zurückgewonnen werden kann. Aufgabe des „Vor“ ist es die Mitte (Zentrum, Innenkreis) zu gewinnen, sie zu besetzen und nicht wieder frei zu geben.

Dies spiegelt sich in den Ringen 1 bis 3 von Andre Liegnitzer wieder. Im Langen Messer und Langen Schwert finden sich die Stücke des Zornhaus. In Schwert und Buckler liegen in den Quellen die Spiele 1 bis 8 (Erste Hut und Krucke) im I.33.

Übungsstand Zwei

Im zweiten Übungsstand kommen die Stücke des „Nach“ (Fünf Wörter) vor. Der Fechter lernt das „Vor“ des Gegners zu zulassen und sogar zu erzeugen, und im „Nach“ zu fechten. Die Aufgabe des „Nachs“ ist es den Gegner ins Leere laufen zu lassen und ihn über die Beherrschung von Zeit und Distanz zu schlagen. Der Fechter schlägt über die Seiten und Höhen (Umläufe, Außenkreis) die Mitte zu zerbrechen und den Gegner zu erreichen.

Dies sind die Ringen 4 bis 6 bei Andre Liegnitzer, im Langen Messer und Langen Schwert widmen wir uns dem Krumphau (Zwinger/Winker) und der Twerhau (Entrüsthau) mit seinen Stücken. Aus dem I.33 verwenden wir das 9. bis 16. Spiel (Zweite und Dritte Hut).

Fechter im zweiten Übungsstand können den „Rang“ des Vorfechters erwerben. Vorfechter unterstützen den Fechtlehrer in der Vorführung der Fechttechnik. Sie können die Übungen andern Fechtern zeigen.

Übungsstand Drei

Der dritte Übungsstand steht unter dem Erkennen und Verwenden der “Stärke” (Fünf Wörter). Die Stärke ist eine Methode zur Eroberung der Mitte aus den Umläufen. Sie räumt den Weg in das Zentrum für den Fechter frei und verschließt ihn für den Gegner. Die Stärke bezieht ihre Energie aus dem gesamten Körper des Fechters, der Anspruch an die korrekte Fußarbeit ist hoch.

Die Ringen 7 bis 10 von Liegnitzer sind hier Thema. Das 17. bis 20. Spiel (Vierte, Fünfte und Sechste Hut) beschäftigen uns im Bereich Buckler und Schwert. Der Schielhau und der Scheitelhau mit seinen Stücken ist zu erlernen im Langen Schwert, passend dazu im Langen Messer der Zwinger, Wecker und der Gefer.

Fechtern im dritten Übungsstand steht der „Rang“ des Mentors steht offen. Mentoren leiten andere Fechter an und unterstützen und vertreten die Fechtlehrer.

Übungsstand Vier

Die Übungen der “Schwäche” (Fünf Wörter) sind der Schwerpunkt im vierten Übungsstand. Die Schwäche winkelt die Stärke in den Weg des Gegners, umgeht dessen Stärke und stiehlt sich in das Zentrum scheinbar ohne Widerstand. Die Schwäche als Gegensatz zur Stärke bezieht ihre Energie aus der Bewegung und der Kraft des Gegners. Der Anspruch an das Fühlen ist sehr hoch, ebenso wird ein tiefes Verständnis der Fechtbewegungen und Distanzen verlangt, auch die Fähigkeit zu antizipieren.

Im Ringen widmen wir uns den Gefechten von Johannes Liechtenauer. Diese erweitern das Ringen Liegnitzers. Die Vier Huten, die Vier Versetzen, das Nachreisen werden im Langen Messer, Dussak und Langen Schwert erlernt. Im Buckler und Schwert werden vom I.33 das 21. bis 25. Spiel (Siebte Hut) geübt.

Fechter im Übungsstand Vier können Fechtlehrer werden, sofern sie zuvor als Mentor aktiv waren oder eine entsprechende zusätzliche Ausbildung vorweisen.

Übungsstand Fünf

Es wird das Verständnis des “Indes” vertieft. Die Übergänge Schwach/Stark, Vor/Nach im Zusammenhang mit Weich/Hart werden erlernt. Der Eintritt in das Indes, das Arbeiten im Indes und das Verlassen des Indes werden geübt. Die exakte Beherrschung der Mensur zur genauen Steuerung der Bindungssituation stellt die größte Herausforderung.

Es werden die Ringen Meister Otts vollständig zu durchlaufen. In den Waffen Langes Messer, Dussak und Langes Schwert kommen die Techniken des Überlaufens, des Absetzens, des Durchwechseln und Zuckens im Schwerpunkt zum Einsatz. Sie werden verglichen mit den Techniken des Durchlaufens und Abschneidens. Das 26. bis 34. Spiel (Fiedelbogen, Priesterhut) wird im Buckler und Schwert betrachtet.

Im Übungsstand Fünf können die Fechter sich als „Angelobte Meister“ bewerben. Diese haben ein Jahr Zeit, den Übungsstand Fünf abzuschließen und sich für die Examinierung als Meister zu melden.

Übungsstand Sechs

Die Fünf Wörter  “Vor, Nach, Stärke, Schwäche, Indes” werden deutlich und in der Praxis verwendet. Die Bedeutung der Systematik „Reizen, Nehmen, Treffen“ wird verstanden und anwendbar.  

Hans Talhoffers Ringen werden erlernt. Langes Messer, Rapier, Dussak und Langes Schwert werden von anderen Fechtmeistern wie Joachim Meyer, Hans Talhoffer, Wallerstein Fechtbuch, Fiore etc. durchgenommen. Die Anwendbarkeit der erlernten Prinzipien und der fünf Wörter werden überprüft. Im Buckler und Schwert werden das 35. bis 40. Spiel (alle sieben Huten, die Priesterhut und die Zweite Hut auf der Schulter) geübt, auch sie betrachten die gesamte Lehre aus einer veränderten Perspektive.

Im Übungsstand Sechs kann der „Angelobte Meister“ sich zum „Meister“ prüfen lassen.

Übungsstand Sechs ist ohne Ende. Die Prinzipien sind erlernt und können nun frei angewendet werden. Das Lernen und Üben ist jedoch nicht zu Ende.

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Fechtfabrik Frankfurt – Region Rhein-Main

Frankfurt 16. Jahrhundert

Die Fechtfabrik Frankfurt ist ein Ort für die Kampfkunst. Hier kannst du von uns Historische Fechtkunst und Moderne Fechtkunst erlernen.

Wir haben diesen Ort in Frankfurt am Main gegründet, um in der Tradition der historischen Frankfurter Fechtergilde, der Marxbrüder, eine alte Kampfkunst wieder mit Leben zu füllen. Umgangssprachlich oft nur „Schwertkampf“ genannt, umfasst diese Kunst jegliches Kämpfen mit und ohne Waffen zur Selbstverteidigung und zum ritterlich sportlichen Kräftemessen.

Willkommen in Frankfurt am Main

Diese Kampfkunst ist für alle da. Ob du aus sportlichen Beweggründen, aus dem Wunsch der Kultur- und Brauchtumspflege, aus Faszination, aus Gründen der Selbstverteidigung, oder mit der Absicht der Selbstbehauptung diese Kampfkunst erlernen willst, ist deine persönliche Entscheidung. Die Fechtfabrik steht dir offen.

In der Fechtfabrik wirst du auf Freunde treffen. Hier sind Experten als Übungsleiter, die dich auf deinem Weg in eine Kampfkunst leiten, wie sie in Europa seit mehr als 600 Jahren ausgeübt wurde.

Du kannst jederzeit bei uns anfangen. Schaue hier, wann es dir zeitlich passt.:Trainingszeiten zum Historischen Fechten.

Ein Name mit Bedeutung

Die Fechtfabrik wurde 2015 als Kooperation der Fechtschule „Stahl auf Stahl“ und dem Verein „Neue Marxbrüder” gegründet. Der Name hat für uns eine besondere Bedeutung. Er hat nicht nur mit der Geschichte der Halle zu tun, sondern mit unserem Ziel. Wir wollen richtig gute Fechter und Fechtlehrer „fabrizieren“.

Kampfkunst Motto: Dein Schwert sei dir ein Schild„Spaß mit Schwertern“ hat eine kurze Lebensdauer. Kampfkunst kann dich ein Leben lang begleiten. Sie stärkt deinen Geist und Körper, festigt deine Seele. Das muss nicht spaßbefreit geschehen. Humor und Freude ist für ein entspanntes Lernen wichtig.
Falscher Ehrgeiz ist uns fremd. Kampfkunst ist knallhart und weich zugleich. Du musst deinen eigenen Einstieg und Weg finden. Dabei helfen wir dir. Unser Konzept ist kein Frontalunterricht, sondern wir gehen individuell auf jeden Einzelnen ein.

Wir haben unter unseren Schülern junge und alte Menschen, Frauen und Männer. Es sind erfahrene Kämpfer (teilweise Professionell) und auch völlig unerfahrene Anfänger. Manche haben Übergewicht, manche sind mager, die meisten sind recht durchschnittlich. Sie alle verändern sich durch die Kampfkunst. Langsam aber stetig.

Um bei uns anzufangen musst du nicht stark und fit sein. Aber du wirst es werden. Ganz aus deinem eigenen Wunsch heraus, niemand wird dich zwingen. Solltest du schon fit und stark sein, dann ist das ein guter Start, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Organisation

Die Fechtfabrik Frankfurt ist organisatorisch eine Abteilung des eingetragenen “Vereins Neue Marxbrüder zu Frankfurt am Main”. 

 

 

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Struktur und Aufbau

OrganisationNeue Marxbrüder zu Frankfurt am Main

Der eingetragene Verein (Gemeinnützigkeit in Planung) bietet all jenen ein Forum, die sich beruflich oder privat mit Historischer Europäischer Kampfkunst beschäftigen. Der Verein fördert die Erscheinungsformen der Kampfkunst, welche durch schriftliche oder gleichwertige Überlieferungen übermittelt sind, und welche dem geographischen Raum Europas in der jeweiligen Zeit zugeordnet werden.

Der Verein sieht sich in der Tradition der historischen Frankfurter Fechtervereinigung der Marxbrüder, St. Marco und Löwenberg, mit einem regionalen Schwerpunkt in Frankfurt am Main und der näheren Umgebung. Aber er versteht sich auch als überregionaler Zusammenschluss von juristischen und natürlichen Personen.

Die Aufgaben des Vereins sind laut Satzung wie folgt.

  • Förderung
    Der Verein fördert die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Vermittlung der Historischen Europäischen Kampfkunst.
  • Schule und Veranstaltungen

Der Verein stellt die Organisation und Räumlichkeiten für Schulungen (Einzelveranstaltungen, Workshops oder Regelunterricht) oder Seminare für die Historische Europäische Kampfkunst zur Verfügung.

  • Kooperation
    Der Verein übernimmt die repräsentative Kontaktaufnahme und -pflege zu Organisationen, die sich der Kampfkunst im weitesten Sinne widmen (Sportverbände etc.).
  • Öffentlichkeitsarbeit
    Der Verein engagiert sich in der positiven Außendarstellung der Historischen Europäischen Kampfkunst.

Abteilungen

Abteilungen sind fachliche Bereiche des Vereins.  Eine Abteilung besteht aus Mitgliedern des Vereins, die sich aus fachlichen Gründen organisieren wollen. Die Organisationsform ist weitgehend freigestellt. Die Abteilung muss einen Abteilungsleiter bestimmen. Die Abteilungen erhalten keine gesonderten Mittel aus dem Verein. Sie verfügen daher über ein eigenständiges Budget. Abteilungen sind nur dem geschäftsführenden Vorstand und der Hauptversammlung gegenüber Rechenschaft verpflichtet.

Abteilungen untereinander stellen sich „Rechnungen“. So kann eine regionale Fechtschule in der Fechtfabrik „Webspace“ anmieten oder bezahlte Werbung buchen. Interne Rechnungen werden grundsätzlich nach dem Prinzip der Kostenteilung durchgeführt. Wirtschaftlicher Gewinn im internen Rechnungsverkehr ist nicht gewünscht.

Fechtfabrik <Abteilung Öffentlichkeitsarbeit>

Die Abteilung „Fechtfabrik“ übernimmt die Abwicklung der Aufgabe „Öffentlichkeitsarbeit“. Dazu gehört die Pflege der Webseiten und das Befüllen derselben mit Inhalt. Die Koordination und Beauftragung von Werbemaßnahmen laufen ebenfalls über diese Abteilung.

Eine besondere Form der Öffentlichkeitsarbeit ist das Franchising. Dies verbindet die Aufgabe des Vereins zur „Förderung“. Im Franchising werden kleine Gruppen durch Öffentlichkeitsarbeit gegen Kostenbeteiligung unterstützt.

Fechtfabrik [Region] <Abteilung Fechtschule>

Die regionalen Fechtschulen übernehmen Teile der Aufgaben „Schule und Veranstaltungen“ sowie „Förderung“ (im Sinne der Vermittlung der Historischen Kampfkunst). Dazu organisieren die Abteilungen regulären Unterricht und Seminare.

Jede Region ist unabhängig von einer anderen. Gegenseitige Unterstützung ist verbindlich. Auch regionale Abteilungen arbeiten nicht nach dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Erzielte Einnahmen werden dem Vereinszweck zugeführt. Dabei gilt das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. D.h. es ist zulässig, Rücklagen zu bilden sowie Investitionen zu tätigen, die den Zweck des Vereins dienen (beispielsweise Ausrüstung, Übungsgeräte, Halle).

Fechtfest <Abteilung Veranstaltungen>

Diese Abteilung organisiert Veranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene. Diese Veranstaltungen unterscheiden sich von regionalen, durch die Überregionalität der Lehrgangsleiter und Sprecher auf einer Konferenz. Teilnehmer einer regionalen Veranstaltung können selbstverständlich von überall auf der Welt herkommen.

Diese Abteilung ist daher auch für die Organisation und Abwicklung der „Meisterprüfung“ zuständig.

Arbeitsgruppen

Arbeitsgruppen bestehen aus Mitgliedern des Vereins, die eine bestimmte Aufgabe übernehmen. Eine eigenständige wirtschaftliche Organisation ist dafür nicht notwendig. Mittel müssen beim Vorstand beantragt werden.

Meisterschule <Arbeitsgruppe Ausbildung>

Die Arbeitsgruppe übernimmt die Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Vermittlung der Historischen Europäischen Kampfkunst. Dazu entwickelt sie einen Ausbildungsplan, kümmert sich um Möglichkeiten der Zertifizierungen, organisiert Seminare in anderen Schulen. Vor allen erarbeitet sie die Regelungen zur Meisterprüfung entsprechend der Satzung und der Beschlüsse des Vereins.

Fechtpartner <Arbeitsgruppe Kooperation>

Aufgabe der Arbeitsgruppe ist die Kooperation zwischen dem Verein Marxbrüder und anderen Vereinen, Verbänden oder Unternehmen. Durch die Kooperation soll die Gemeinschaft der Historischen Kampfkünstler auf verschiedenen geografischen Ebenen gestärkt werden.

 

 

 

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