1575 – die Meisters bitten den Rat der Stadt Frankfurt wegen Freifechter

6, September 1575 –  Die Meister des Langen Schwerts bitten den Rat der Stadt Frankfurt, den Freifechtern nicht die Erlaubnis zu geben, Fechtschule zu halten.

Signatur:

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Rep. 7 (Ugb A 69) No. 19 – 1

Ehemals Ugb. A 69 No. 22

Transkription

Status: 1st Draft
Transkribiert von: Kevin Maurer

[seite 1] Die Meister des Schwerts bitten
kain frei fechter alhie schul zu=
halten ?? ??

?? ??? den 6 Septemb;
Anno 1575

Nr 22

Supplicatio

der Meister des Schwerdts
der Bruderschaft S. marx

[seite 2] Ernueste hochgelertte, Fürsichtige Ersame und
wolweise, groß gunstig gebietende herren
nach dem nuhn ettliche jar hero, auss mangel eines
Meisters des Schwerts der Bruder oder Gesellschafft
Sankt Marx in diser kai(serlich): freien Reichs Stat
Frankfurt, den Freifechtern vergönt unnd
zugelassen worden, offene fechtschulen anzu=
schlagen und zuhalten, wie dan auch beschehen,
und aber E.E. und F.W. sich g: zuerinneren
wissen, dass solches angezogener Bruderschaften
freiheit und begnadigung hochlich entgegen und
zuwieder, So ist unser ganz under =
thenigs bitt, E.E. und F. W. wollen hinfür=
ther keinem freifechter einich schul anzuschlag (en)
nach zuhalten gestatten, sonder uns bei
unsern lang und wolhergebrachten freiheyten
shutzen und handthaben, damit wir
nicht verursacht, an andern orten und
enden, uns eines solchen missbrauchs wegen
zu beclagen, und die Peen in den freiheiten
bestimpt anzuzihen, das wir doch viel lieber
umbgehen wolten, Thu hiermit

[seite 3] Furnemste, würdige, hochgelernte auch fursichtige, ersame,
und wolweise gross günstig gebietende herren, aus
hochtringender unvermeidtlicher notturfft kommen
wir unden bananten mit umbgehen E.E. W. und F. W.
?? underthenigkeit supplierendt für und anzubringen
Als von vielen unverdencklichen zeiten und jaren hero
von Rho (Romischer): Kay (Kaiserlich): und Kon (Koniglich): Mt (Maiestat) die Meisters des Schwerts,
die Bruderschaft S. Marx genant aller gnedigst pri=
vilegiert, und befreihet sein, vermög derselbigen frei=
heit, deren abgetruckten ??darpei?? E.E.W. und F. W. mit
Irer Stadt Insigel besigelt einem jedem so von gedachter
Bruderschaft oder derselbig Obern, abprobirt wirdt
angenommen wirdt, mit zutheylen schlagen, darinnen
bei einer Namhafften Peen verboten, keinem der von
gedachten Meistern od(er) der genanten Bruderschaft, dar
zu nicht bestretigt, ohne derselbigen vorweissen, willen
oder erlaubnus, einiche Schul anzuschlagen oder zuhalten,
zugestatten S? welches der Rho: kay: und Kon: Mst:
(Romisches, Kaiserlich, Koniglich, Maiestat)
bedencken ohne zweiffel darumb beschehen, dass solche
Ritterliche übung in richter Bruderlicher einigkeit
im gebrauch möge erhalten, und die Bruder von S.
marx genennet werden, nicht allein nur von einen
handtwerk, sondern stehet einem jedern frey darundt
zukommen, frey gleich was standts er wölle, aussge=
nommen die vom adel und der Ritterschafft, welche
dan zumorderst bei uns den obgemelten Meistern od(er)
der Bruderschafft von S. Marx in hohen ehren (und) auch in
allen unsern anschlag brieffen und schulen bevor

[seite 4] gehalten worden, sonst aber mag sich menniglich zu
uns begeben, wie dan niemals einicher redlicher Gesell
oder Biderman von uns verworffen, sondern einem Jeden
dir? kunst begerendt mitgetheylt worden ist.
Nach dem aber vor wenig jaren, etliche von unss,
weissen nicht aus was ursachen , sich abgesondert,
und die freye oder federfchter, wie man sie nach heut=
tigs tags zunennen pflegt, genant, welche die fur=
nemsten von hohen und nidern standts personen an
sich hengken, und uns der Bruder od(er) Gesellschafft von
S. Marx widerwertig machen , auch dieselben dahin
verursachen und bewegen thun , viel grosse draue wort (Drohworte)
uff offenen freien fechtschulen , (wie ain nechstuer=
gangenen Palm Sontag gehort ist worden), und sonst allent=
halben [wider uns] auss zustossen . und sonderlich, (dess wir uns [F= wider uns] ?
zum hochsten zubeclagen) , haben wir itzund ein zeit hero
sehen mussen. dass den freifechtern erlaubt und ver=
gundt worden ist, wider unsern willen oder wissen ,
offene schulen anzuschlagen und zuhalten , welches
angezogenen unsern wolhergebrachten privilegien hoch=
lich entgegen und zuwider , darumb wir auch vor etlichen
wenig tagen , als sich ein solches abermals begeben hat ,
einen derselbigen anschlag zettel, nit auss frefel (frevel) oder
mutwillen , sonder allein zu einem warhafftigen ge=
zeugnus (zeugnis), abgenommen haben.

[seite 5]

Regirende , Rho: Kay: auch Rom: Mjt: unsere aller gnedigste
herren, uff nechst gehalttenem Reichstage zu Regen=
spurg, als ein freifechter in seinem anschlag brieff=
der Meister des Schwerts od(er) gefreihete Bruderschafft
von S. Marx verachtlicher weiss angetast, offentlich
sich vernemen haben lassen, uber derselbigen gegebene
freyheiten mit ernst uns zuhandthaben , welches auch
billich von deroselben underthanen und getreuen auch
beschehen solte. Dem allein nach so langt und ist
an E.E.W. und F.W. unser ganz underthenig hoch=
fleissig und flehliche bitt, Sy wollen daran sein, dass solcher
missbrauch der frey oder federfechter, des ungeburlichen
anschlags und schulhaltens halben, sonderlich dieweil itz=
undt ein Meister des Scwerts unserer Gesellschafft
in diser stadt Frankfurt wohnlich further sessen?? , gnedig und
gunstig abgeschafft werden, und hinfurther vermitten??
bleiben mögt und uns bei unsern lang und wolher=
gebrachten freiheitten schutzen schirmen, womit wir
unsern Eidt so wir für alle jede burger des heilig(en)
Romisch(en) Reichs, gethan und thun mussen , mit gutem
gewissen volnziehen und leysten konnen.
_______

?? fall aber mehr angezogene unsere freyheiten , ires
inhalts, (als wir doch nit verhoffen) so weit sich nit
erstrecken, sondern disputirlich , oder aber an uns
eynicher fehl oder mangel , dardurch solche unordnung (en)
und undertruckung unserer freyheit herfliessendt ,
sein solte, So bitten wir gleichsfals ganz under=
thenig, unbeschwert zusein, dasselbige in speei??? uns

[Seite 6]

gunstiglichen zuvermelden und anzuzeigen, damit solchen
mängeln und gebrechen in zeiten vorgebauet werden
moge. Deren trostlichen ungezweiffelten hoffnung und
zuversicht E.E.W. und F.W. werden uns bei solchen
unsern privilegien freyheiten und begnadigungen handt=
haben und bleiben , darwider nicht tringen oder beschworen
lassen, daran beschicht der Rho: Kay: und Kon: Mst:
ernstlicher bebehl will und meynung und wollen
wir auch dasselbig und E.E.W. und F.W. deren Burger,
angehorigan od(er) verwanthen mit unsern leib, gut ,
und blut, die zeit unsers lebens gehorsam und willig
verdienen . derselbig trostlichen wilfarig antwort
bittendt.

E.E.W. und F.W.

Underthenigt gehor=
sam und willige

Friderich Renner von Hof stein=metz
itzund erwehlter hauptmann
Melchor Beystman Schlaff burg
zu Nürnberg

Lucas Rüpprecht kurssner burg
hie zu franckfurt
Bregor Sturmer von Braunspurg

Jerg Reichol vom Prieg Alle

Meister des Scwertds der Brud=
schafft von S. Marx .

Personen

  • Hauptmann Friederich Renner, Hof
  • Lukas Ruprecht, Frankfurt
  • Gregor Sturmer, Braunsburg
  • Jörg Reicholt, Prieg
  • Melchor Beystmann, Schlaffburg

Copyright

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