1566 – Ordnung der Marxbrüder, Wahl des Hauptmanns Jörg Hangersdorfer

Findbuch 168 No 8

Wie jedes Jahr wählen die Marxbrüder stellen die Marxbrüder ihre Ordnung auf und wählen am 8. September 1566 einen neuen Hauptmann: Jörg Hangersdorfer von Erdingen, ein Kürschner und Bürger zu Mainz.

Bemerkenswert ist die Regelung, dass Meister, die keinen Unterricht im Langen Schwert anbieten, pro Jahr zwei Blaffert extra bezahlen (ein Gulden entspricht etwa 20, 24 oder 26 Blaffert) sollen. Ebenfalls die Hinweise, dass ein Meister nicht zu Prostituierten gehen soll.

Signatur:

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main, Rep. 168 No. 8

Transkription:

Status der Transkription: 1st Draft

Zu freiem, auffrichtigen und wolbedachten mut haben die maister der gesellschafft der kayserlichen freyhait Sanct Marx vonnwegen ettligs gedechens, dass bisher im der gesellschaft enntstannden ist, dieselbigen um hinn further vleissiger zu ersehen, unnd das das desgleichen nicht geschehen soll.

So haben sie Gott denn herrn zu loben und ehr, uffrichtige ordeuning gemacht und bestattigt, zum gleicher form unnd maaß, wie hiernach geschrieben volgt. Zum ersten haben sie erwölt und gemacht, einem Hauptmann mit namen, M. Jörgen Haningerstorffern vonn Örtingen, Kürschnern und Burgern zu Mainz. Dem selben haben sie, under ihnen wiederumb, Gott dem Herr zu ehren, zweyfar langgt nechst nach einander kommende, geschworen das sie verkundt unndt furlab, einer dem anderen zum allen ehrlichen und zedlichen sachen, begulfflich sein sollen und wollen, unnd dass mann auch allwege in ueber zwey jare lanngt einen annderen hauptmann erwölen und deme geloben und schweren sölle, unnd er desgleichen her midderumb des gesellschafft, aller massen unnd inn form, wie yehrindt bestehen.

Item ob einn Maister scharvff fechten solte order muste, so sollen die anndern ufftgren midt den siegelschworn, zu ihme zicht-(UNLESBAR) sie das ihmen werden, unnd ihme getreulich unnd brüderlich beystanndt thunn, und im sonnderheit die maister, welche das Schwerdt wiessen unnd brauchen, unnd sol sich keiner dessen uberheben, damit im recht und mutwillen zuthun, unnd wirdt dann einer  geschlagen, so sollen die annderen alle geschlagen werden, oder ihn Rechen, und uemblich dez tungst zum ersten, bis uff den letsten. Wert er aber sach, das mann wölte gewalt am einen maister legen, unnd ihne bey einem Billigen unnd rechten nit fleiben lassen, so sollen die annderen alle sich sein annemen, unnd ihn furderlich und behulfflich sein, wess sie dessen mit Ehren thun unnd verantwortten können, unnd die einen den anndern furdern unnd nicht hinndern.

Und ob es sache were, das zwei maister auss der Gesellschafft unnder einander uneins wurden, auss ursachen, und so dann die Schwerdt einen treffen würde, so soll ihre einer den anderen vergunndts annders suchen, annlanngen oder herlagen, dann allein vor dem hauptmann, und der Gesellschafft, so solchs aussgetragen unnd hinngelegt werden soll.

Item es soll auch dem maister nicht dann einem schull uff einmall halten, unnd sein furfechter der die schull halte vonn dess maisters wegen, der maister mag ab er woll den fürfechter bey sich haben. Es sollen auch die Maister so da in eine stadt sesshafftig einem Maister gonnen ausszuhensten, unnd Ihme helffen eine offne schull halten, unnd kein theill vonn dem selben gelt nemen, und so der Maister der da seshafftig keinen Schuler hette, wolten dann die schuler von deme nicht sonndern von dem anndern lernen, so soll der seshafftig dem anndern gönnen, das er schuler zu ihm neme, unnd ein monat schull halten moge. Unnd were es sache, das ein annder Maister darzwischen inn dieselbe stadt kome, deme eine zehrung wenn nötten were, so soll der genannd maister, der also schul da hielte, dem anndern fremdem, so darfeme, ein halben gulden an der zehrung schenken, uff das er desto besser furt komme moge.

Item welcher maister das schwert nit braucht, unnd inn der gesellschaft ist, der soll alle jar zwei Blappart inn die gesellschafft geben, dem soll auch keinen Maister inn die gesellschafft nemen, er gebe dann zwey gulden inn die Burchssen, und mann soll ihn versuchen, inn welcher wehr er maister sei, inn derselben soll er sich maister schreiben, auch soll die haimlichheit niemmandts inn oder aussgeben werden, dann durch den hauptmann, unnd soll zwey niessenndt seiner bruder bey sich haben, doch zu Frankfurt inn der mess haben die bruder solchs macht, der hauptmann seie da order nicht.

Item es soll auch ein jeder maister alle jar sein gebüchlich gelt darr inn die gesellschafft zu geben geburt gegn Frankfurt inn der Mess uberantworten lassen, wo er selber dahin nit kommen möchte. Es soll an kein maister der gesellschafft gemainschafft haben mit schol der Platzmaistern, oder mit offentlichen frawen mitgen. Es soll auch ein yeglicher maister verschaffen unnd bestellen, (?dann?) Gott uber thu gebeuth, das ez vonn (?Ghodts?) wegen abginnge, dass es alssdann seinen mannen, den er getragen, dem hauptmann gehn Frankfurt zu schicke, damit es uberanntwortet werde, oder ihne mit er nem gulden ablöse, auch soll ein yeder maister keinen schuler leren, derselbig schuler gabe dann zuvor zwei pfennige inn die bürch sein geben.

Unnd allso alle vorgenanndte unnd obbeschriebene stück, puncten unnd artichel, sammenthafft, unndern yeden inn sonderhait, haben haben die maistere obgenanndt dez Gesellschafft kayserlicher freyhait des lanngen schwerdts, gelobt geredt, unnd leiblich zu Gott dem hernn geschworn, stede zu halten, mit namen M. Kurssthen Essez vonn Colln, Panzermacher, bürger zu Augsburgk, dem obgenanndten M. Jörgen Haningerstorffern vonn Örtringen kurbuer unnd Burger zu Mainz, hauptmann dess lanngen schwerdts, kayserliches freyhait, unnd die ersamen maister der selben freyhait vleissig gebotten das sie ihre inn siegell vonn meinetwegen ann diessen brieff ge, genucht haben: Welche siegelzug wir, obgeschrieben hauptmann unnd maistere dess lanngen schwerdts kayserlicher freyhait, unnd alle geschehen erkennen,  vorgunnd unnd unsern (?omen?) schad haben unnd geschehen inn der Frankfurter herbstmess, den 8. tag Sevtembri im jar nach unnsers lieben herrn unnd seligmachers geburt tausend fuffhundert sethgig unnd sechs.

Personen

  • Kerschgen Esser von Köln, Panzermacher, Bürger zu Augsburg
  • Jörg Hangersdorfer von Erdingen, Kürschner und Bürger zu Mainz, gewählter Hauptmann

English Translation:

Translator’s note: Words that are not in the original text, but that have been inserted to make the text more readable in English are put between () brackets. Clarifications of the text/footnotes are put between ** asterisks. Finally, any doubtfull translations have been put in brackets, with a question mark at the end: (example?) 


Of free, sincere and thoughtful mind, the masters of the brotherhood of the imperial charter (of) Saint Mark are to, after carefull deliberations, that have until recently been held within the brotherhood, observe these (rules) dilligently, so that similar (new rules) will not happen again.

So they *the masters*, in order to praise and honour God the Lord, have made and confirmed forthright regulations, in equal form and measure as is written next. Firstly they have elected and confirmed (as) captain, (a man) named M. Jörgen Haningerstorffern of Örtinger, a furrier and burgher of Mainz. Amongst themselves, in order to honour God the Lord, They passed alongside (him) in pairs of two, and swore that they would surely be of aid to eachother in all honourable and moral affairs. And always, after two years, (the masters) should elect and confirm a different captain, and swear to him, and he should, likewise, (uphold) all the forms and measures as they are (written) herein within the brotherhood.

Another: When a master has to fight (with) sharp (swords), then the others should go with the sworn-seal, for him (text obscured by stain) .. that for him, and (they should) aid him, faithfully and brotherly, especially the masters who know and use the sword. And none of them should elevate themselves *above the master* so that they do him justice and good sport. And when one of the masters then is hit, then all of the other ones should either be hit, or avenge him, and this should be done from the first (master) until the last. When it is the case that someone wants to use violence against a master, and not allow him to remain in justice and fairness, then the others all should care for him, and be helpful and contributory to him, when they can do this
honourably and responsibly; and they should help, not hamper, eachother.

When it is the case, that two masters of the brotherhood disagree amongst one-another, for (whatever) reason, and when then the sword hits one of them, then they should not be bringing this matter before anyone, other than the captain and the brotherhood.

Another: A master should not hold more than one fencing school at once. (This also goes for) the champion who holds the fencing school in the masters’ name, but the master is allowed to have his champion with him if he wants to.  Masters who are inhabitants of a city should allow another master *from a different city* to (stay with them?), and they should help him in holding an open fencing school, and not take any of his money. And if the master who is a native of the city does not have any students, or if his students do not want to learn from the other *from outside the city*, then the native master should allow the other to take in students, and hold a fencing school for a month. And when it happens, that another master should come into this same city, being short of (food?), then the earlier mentioned master who was holding the fencing school there, should give half a gulden to the other master, so that he may continue all the better.

Another: (A) master who does not use the sword, and is (a member of) the brotherhood, should pay two Blappart *one Blappart is about 1/25th of a gulden* to the brotherhood each year. Also, he should not take any masters into the  brotherhood, unless gives two gulden to the treasury. And (the other masters) should request that he writes himself as a master in whatever weapon he is a master in. Also, the secrets (of the brotherhood) should not be given to someone, or taken from them, by anyone other than the captain, who should have two of his (closest?) brothers with him. However, the brothers in the market of Frankfurt have this authority, whether the captain is there or not.

Another: Every single master should have his membership money brought to the brotherhood in the market of Frankfurt each year, if he cannot come there himself. No masters of the brotherhood should associated with the school of the “placemasters”, or go with public women *prostitutes*. Every such master should repent before God, having moved off of God’s path, and he should be brought to Frankfurt by men that have been ordered (to do so) by the captain, so that he can answer (for his deeds), or redeem himself with guldens.

Also, no master should teach a student, unless that student has given two pfennig *one pfennig is about 1/80th of a gulden* to the treasury in advance.

The masters of the Imperial charter (of the) brotherhood of the long sword, named M. Kurssthen Esser of Colln, housebuilder, burgher of Augsburg, (and) the above mentioned M. Jörgen Haningerstorffern of Örtriegen, furrier and burgher of Mainz, captain of the long sword (of the) Imperial charter have sworn,  in the flesh, to God the Lord, to uphold continuously, all that which was written above, all the pieces, points and articles, together, some of which especially.

And the honourable masters of the imperial charter have diligently approved of the seal that has been attached to this letter. The seal that we, the  above mentioned captain and masters of the imperial charter of the long sword, and all those (present?) have recognised and allowed, and that *’that’ probably refers to the creation of the letter itself* has taken place in the autumn-market of Frankfurt, at the 8th day of September the thousand, five-hundred and sixty-sixth year after the birth of our dear Lord and Saviour.

 

699 Views

Schreibe einen Kommentar