Ergebnisse der Umfrage zur Motivation von Historischen Fechtern

Die Umfrage zur Motivation innerhalb der Historischen Fechterszene lief von Ende März bis Anfang Juni 2018 auf der Webseite der Marxbrüder. Die Aussagekraft der Umfrage ist jedoch keine Absolute, wie in den folgenden Zeilen zur Einschränkung zu lesen. Sie enthält aber Hinweise, die unserer Einschätzung nach nicht ignoriert werden sollten.

An der deutschsprachigen Umfrage haben lediglich 43 Personen und an der englischsprachigen 104 Personen teilgenommen. International ergibt sich in der Zusammenfassung eine verwertbare Stichprobe ohne jedoch den Anspruch zu erfüllen repräsentativ zu sein. Dies Einschränkung ergibt sich allein schon dadurch, dass die Verbreitung der Umfrage auf Internetnutzer und Besucher von Sozialen Netzwerken beschränkt sein dürfte.  Diese Einschränkungen sind bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt worden.

Die Interpretation ist nur eine Leseart der Zahlen und selbstredend durch die Meinung des Autors gefärbt. Aus der Interpretation der Ergebnisse lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten, die bei den einzelnen Punkten genannt werden. Wie bei allen Umfragen und Interpretationen ist sehr viel Spielraum für Kritik und Zweifel. Die kritische Auseinandersetzung mit dem hier geschriebenen Text ist ausdrücklich gewünscht und soll in den entsprechenden Diskussionsplattformen und Netzwerken stattfinden.

Die Ergebnisse werden zusammengefasst dargestellt. Die internationalen Ergebnisse in Klammern hinter den deutschsprachigen.

Geschlechtliche Zugehörigkeit

Der Anteil von Frauen ist erschreckend gering im Historischen Fechten und bedarf der gezielten Förderung. Doch sollte nicht unbeachtet sein, das die Teilnahme weiblicher Fechter an solchen Umfragen und in Gruppen zu Historischen Fechten in Sozialen Netzwerken geringer ist, als der Anteil im Fechten selber. Daher spiegeln diese Ergebnisse nicht den wahren Anteil von Frauen im tatsächlichen Fechten wieder, sondern eher der Anteil der Frauen, die aktiv die Szene mitgestalten würden. Daher wäre es enorm wichtig, weibliche Fechter für die Rolle von Trainern, Führungspositionen zu gewinnen.

Antwort deutsch englisch
männlich 90% 91%
weiblich 9% 8%
Keine Angaben 1% 1%

Alter

Mit über 50% der Teilnehmer in einem Alter über 30 (Deutsch über 60%) entsteht der Eindruck einer Überalterung. Aber das relativ hohe Alter der Teilnehmer erklärt sich aus der “Fantasy-Welle” nach Herr der Ringe. Damit wurde der “Grundstock” vieler Gruppen gebildet. Dieser altert nun. Zusätzlich spielt das Eintrittsalter in die bewaffnete Kampfkunst ab Volljährigkeit eine Rolle. Doch um Sportler im Alter von unter 30 zu gewinnen, müsste sich der Sport auch für die Jugend mehr öffnen. Dies geschieht zum Teil schon, sollte jedoch weiter ausgebaut werden. Inzwischen liegen Simulatoren vor, die auch von der Jugend oder Kindern genutzt werden könnten. Ringen wäre allen Altersklassen gerecht, müsste jedoch mehr zielgerichtete Unterstützung durch die Vereine erfahren.

Antwort deutsch englisch
älter als 50 7% 11%
älter als 40 aber jünger als 50 Jahre 23% 15%
älter als 30 aber jünger als 40 Jahre 32% 25%
älter als 20 aber jünger als 30 Jahre 30% 44%
Jünger als 20 Jahre 2% 3%
Keine Angaben 6% 2%

Dauer

Bei der Frage “Vor wie vielen Jahren haben Sie mit dem Training angefangen?” stellt sich heraus, dass im internationalen Bereich (es antworteten weitgehend US-Amerikaner) die so genannte Fantasy-Welle etwa 2-3 Jahre vor Deutschland ihre Auswirkungen hatte. Doch gelang es den Betreibern der Gruppen neue Sportler für das Historische Fechten zu gewinnen. Mit nicht einmal 20% neue Fechter ist der Anteil im deutschsprachigen Raum recht klein. Doch ist zu erwarten, dass auch in diesem Raum das “Umschwenken” von Fantasy/Mittelalter hinzu Kampfkunst und -sport erfolgreich durchgeführt wird und sich in wenigen Jahren die Zahlen ändern werden.

Antwort deutsch englisch
Vor 1-2 Jahren 18% 35%
Vor 3-4 Jahren 15% 17%
Vor 5-6 Jahren 22% 9%
Vor 7-8 Jahren 8% 4%
Vor 9-10 Jahren 12% 7%
Vor mehr als 10 Jahren 17% 25%
Keine Angaben 8% 3%

Einstiegsmotivation

Auf die Frage “Wieso haben Sie mit dem Training begonnen?” stehen Schwert und Mittelalter bei den Teilnehmern hoch im Kurs. Doch auch der Aspekt der Fitness ist ebenso als Motivation, in das Historische Fechten hinein zu schnuppern, nicht zu verachten. Der Anteil der Personen, die nicht aus der Mittelaler/Fantasy Szene stammen ließe sich weiter ausbauen, sofern darin Interesse bestände.

Antwort deutsch englisch
Faszination Schwert 20% 19%
Faszination Mittelalter 16% 14%
Fitness 10% 10%
Neugier 12% 11%
Persönliche Weiterentwicklung 9% 12%
Faszination Fantasy 6% 7%
Stressabbau 4% 6%
Ereiterung meines Verständnis der Kampfkunst 4% 7%
Soziale Motivation (Freunde, Famile, Gruppe) 3% 3%
Selbstverteidigung 2% 2%
Selbstvertrauen stärken 1% 2%
Keine Angaben 12% 7%

Aktuelle Motivation

Auch wenn es die Trainer persönlich treffen mag, ist die Motivation bei der Historischen Fechtkunst zu bleiben, nur selten die Persönlichkeit des Trainers.  Kampfkunst und Fitness, sowie die Persönliche Weiterentwicklung stehen im Vordergrund des Selbstbildnisses der Fechter. Als weitere Gruppe ist die Unterhaltsamkeit (Spaß und Neugierde) wesentlich. Die Gruppenbindung wirkt ebenfalls, doch nicht so stark wie in einem Mannschaftssport. Die Identifikation mit der Gruppe könnte weiter ausgebaut werden. Dies würde den Anteil der Teilnehmer, die in einem Verein auch aktive Rollen übernehmen vergrößern.

Antwort deutsch englisch
Erweiterung meines Verständnis von Kampfkunst 14% 13%
Fitness 13% 13%
Persönliche Weiterentwicklung (Geist, Körper) 13% 17%
Einfach aus Spaß 12% 9%
Mentaler Ausgleich 11% 6%
Soziale Motivation (Freunde, Familie, Gruppe) 9% 9%
Stressabbau 6% 9%
Neugier, was als nächstes kommt 6% 10%
Motivation durch den Trainer (die Trainerin) 5% 2%
Selbstvertrauen stärken 3% 3%
Selbstverteidigung 2% 3%
Keine Angaben 6% 6%

Aufhören

Die Frage “Was sind/wären Gründe für sie das Training nicht mehr zu betreiben?” beantworteten viele mit gesundheitlichen Problemen und Zeitmangel. Dies in Zusammenhang mit dem Wunsch nach “Fitness” und “Kampfkunst” in Zusammenhang gebracht, zeigt den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Viele Fechter möchten fit sein und gute Kampfsportler, sehen aber dass sie selbst gesundheitliche Probleme bekommen könnten und fürchten nicht genug Zeit für das Training zu haben. Diesen Widerspruch müssen die Gruppen durch gezielte Motivation auflösen, damit die Ziele “Fitness” und “Kampfkunst” erreichbar werden. Ein gutes Angebot an Trainingstunden, fachliche Kompetenz der Trainer, sowie ein Zusammenhalt in der Gruppe sind hier ausschlaggebend.

Antwort deutsch englisch
Gesundheitliche Probleme 17% 21%
Soziale Demotivation (Gruppe passt nicht) 17% 6%
Zeitmangel 13% 17%
Weite Anfahrt 10% 10%
Inkompetenz des Trainers (der Trainerin) 10% 6%
Hoher Mitgliedsbeitrag 10% 4%
Einfach Lustlosigkeit 3% 5%
Zu viele Anfänger 3% 2%
Verletzungsrisiko 0% 3%
Finanzielle Probleme 0% 12%
Verein oder Gruppe löst sich auf 0% 6%
Keine Angaben 17% 8%

Was ist wichtig im Historischen Fechten

Die folgenden Fragestellungen sind so aufgebaut, dass sie auf weitere Motivationen schließen lassen. Diese Schlussfolgerungen sind nicht zwingend.

Persönliche Weiterentwicklung

Es wird kaum jemand geben, der auf die Frage nach der persönlichen Weiterentwicklung nicht positiv antwortet. Die Relevanz dieses Anspruchs in der Ausübung der Historischen Fechtkunst ist aber nicht zu vernachlässigen. Hier wird der Wunsch sichtbar, dass für den Fechter das Ausüben schon mehr ist als eine gewöhnliche Freizeitbeschäftigung, mehr als ein konsumorientierter Sport wie der Besuch eines Fitness-Studios.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 9% 4%
Nicht so wichtig 9% 6%
Schon wichtig 29% 40%
Sehr wichtig 38% 35%
Das Wichtigste 11% 11%
Keine Angaben 4% 4%

Motivation Gesundheit

Auch bei der Gesundheit ist eine positive Antwort eher wahrscheinlich. Die hohe Gewichtung ist aber auch hier ausschlaggebend. Die Übenden wünschen sich eine spürbare Verbesserung des Körperlichen durch die Fechtkunst. Dies ist bei der Gestaltung des Trainingsablaufs wichtig. Somit sollte auf körperliche Einschränkungen geachtet werden, die im beispielsweise im normalen Arbeitsalltag entstehen. Die entsprechende Literatur sollte Pflicht für die Trainingsleitung sein.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 4% 0%
Nicht so wichtig 6% 9%
Schon wichtig 22% 27%
Sehr wichtig 54% 51%
Das Wichtigste 6% 10%
Keine Angaben 8% 3%

Motivation sozialer Kontakt und Gruppe

Im deutschsprachigen Raum ist die Gruppe wesentlicher als im internationalen. Dies lässt sich durch die Vereinskultur erklären. Der Sport im Verein ist hier tief verwurzelt. Die Bindung in der Gruppe ist somit ein wesentlicher Faktor, der zur Motivation beiträgt. Gruppenfördernde Maßnahmen und Veranstaltungen sind folglich zielführend.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 4% 0%
Nicht so wichtig 6% 12%
Schon wichtig 11% 36%
Sehr wichtig 52% 47%
Das Wichtigste 22% 2%
Keine Angaben 5% 3%

Motivation Wettkampf

Turniere oder Wettkämpfe stellen in vielen Sportarten einen wichtigen Motivationsfaktor dar. Doch nur dann, wenn hinter einem Sieg auch ein Anerkennung in der Gemeinschaft gegeben ist. Dies ist weitgehend im deutschsprachigen Raum nicht gegeben. Im internationalen Wettbewerb gibt es eine Reihe etablierter Turniere. Dort garantiert ein Sieg hohe Anerkennung. Daher ist der Unterschied zwischen den internationalen und deutschen Antworten deutlich. Sollte Sportwettbewerb zu einem Motivationsfaktor werden, sind Anstrengungen notwendig etablierte Turniere zu schaffen.

Antwort deutsch englisch
Völlig unwichtig 34% 15%
Nicht so wichtig 34% 40%
Schon wichtig 23% 29%
Sehr wichtig 4% 13%
Keine Angaben 5% 3%

Motivation Freikampf

Unbestreitbar gehört der Spaß am Freikampf für viele Fechter zu den motivierenden Gründen, das Training zu besuchen. Sich auszutoben, zu vergleichen oder im Wortsinn sich “Zusammen zu raufen” gehört zu den gemeinsamen Erlebnissen im Historischen Fechten. Da der Freikampf, bzw. das Sparring, einen großen Aufwand für die Ausrüstung bedeutet, empfiehlt es sich zu überdenken, ob Formen entwickelt werden können, die sinnvoll und sicher sind, aber weniger Kosten für Ausrüstung bedeuten.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 2% 0%
Nicht so wichtig 2% 5%
Schon wichtig 20% 19%
Sehr wichtig 50% 52%
Das Wichtigste 22% 21%
Keine Angaben 4% 3%

Den Gegner im Kampf zu dominieren halten wenige Fechter für wichtig. Darin ist zu erkennen, dass es tatsächlich eher um das gemeinsame Erlebnis geht. Ein weiterer Grund für die Unwichtigkeit der eigenen Überlegenheit ist die allgemeine Aussage, dass ein Fechter von einem überlegenen Fechter im Freikampf vieles lernen kann. Faktisch gibt es bessere Methoden, doch kommen im gesteuerten Freikampf Spaß und Lernen gemeinsam zum Zug.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 7% 23%
Nicht so wichtig 67% 49%
Schon wichtig 12% 18%
Sehr wichtig 10% 5%
Das Wichtigste 0% 1%
Keine Angaben 4% 4%

Kampfkunst oder Sport

“Ist es wichtig, den anderen im Training nicht weh zu tun? Nicht nur Verletzungen unbedingt, aber auch dicke Blaue Flecken nach Möglichkeit zu vermeiden?”

Die Interpretation der Antworten auf diese Fragestellung ist knifflig. Es ist ersichtlich, dass nach dem gemeinsamen Raufen mit Schwertsimulatoren die Mehrheit gerne ohne gesundheitliche Beeinträchtigung nach Hause gehen will. Ein Teil der Fechter wünscht sich ein Training ohne Schmerzen, ein etwa gleich großer nimmt diese billigend in Kauf. Es ist somit ein breites und verteiltes Spektrum vorhanden. Für die Trainingsleitung bedeutet dies, ebenso ein breites oder ein klar definiertes Angebot zu erstellen. Denn eine kongruente Gruppe, in der ein Teil Schmerzen und leichte Verletzungen als Teil des Trainings sieht, während ein anderer Teil diese vehement ablehnen, lässt sich nicht erzeugen.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 6% 1%
Nicht so wichtig 15% 13%
Schon wichtig 27% 36%
Sehr wichtig 31% 30%
Das Wichtigste 15% 17%
Keine Angaben 6% 3%

Die Frage, ob es wichtig sei, selber möglichst keine Blessuren im Training zu bekommen, ergibt in etwa das gleiche Bild. Auch hier finden sich eine Minderheit, die dieses unterstützt. Die Mehrheit steht diesem Problem jedoch entspannter gegenüber, als der Vorstellung jemanden anderen weh zu tun.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 35% 56%
Nicht so wichtig 40% 35%
Schon wichtig 12% 4%
Sehr wichtig 7% 1%
Das Wichtigste 2% 0%
Keine Angaben 4% 4%

Ausrüstung

Die Qualität der “Waffe” im Fechten ist für viele Fechter sehr wichtig. Nun mag ein gutes Fechtschwert hilfreich sein. Doch die Gewichtung spiegelt nicht die Bedeutung wieder, die der Simulator faktisch für das Lernen hat. Es wiederholt sich hier die Motivation aus dem Einstieg in die Historische Fechtkunst,nämlich dass die “Faszination Schwert” (20%) eine wesentliche Rolle für die Wahl dieser Sportart hat. Hier kommt die “Fechtfeder” zum Tragen, welche als Stahlsimulator die Schwertsymbolik gut abbildet.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 2% 0%
Nicht so wichtig 2% 5%
Schon wichtig 20% 27%
Sehr wichtig 67% 54%
Das Wichtigste 5% 11%
Keine Angaben 4% 3%

Vergleicht man die Wichtigkeit der Qualität der Schutzausrüstung mit der Wichtigkeit der Qualität des Schwertsimulators, wird deutlich, dass hier eher Toleranz vorhanden ist. Eigentlich sollte jedoch die Schutzausrüstung hervorragend sein, denn diese sorgt für Sicherheit und weitgehende gesundheitliche Unversehrtheit. Hier erneut fällt die unterschiedliche Gewichtung zwischen deutschem Sprachraum und der internationalen Gemeinschaft auf. Erklärbar ist dies mit dem sportlichen Wettbewerb, welcher die Anforderungen an die Schutzausrüstung festlegt und die Wichtigkeit erhöht.

Antwort deutsch englisch
völlig unwichtig 4% 1%
Nicht so wichtig 22% 18%
Schon wichtig 36% 23%
Sehr wichtig 25% 42%
Das Wichtigste 6% 12%
Keine Angaben 7% 4%

 

 

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