Was ein adelige Hofmeister über das Fechten wissen muss

Anton Wilhelm Schowart publizierte 1693 ein Berufsbeschreibung für den „Adeligen Hofmeister“. Das in Frankfurt am Main gedruckte enthält ein interessantes Sittenbild für das Ende des 17. Jahrhunderts. Natürlich gehörte auch das Fechten an einen adeligen Hof. Der Autor hält jedoch gar nichts von dem, was aktuell im Fechten gelehrt wird. Da moderne Fechten führt seiner Ansicht nach, nur zum unsäglichen Duellieren. Tatsächlich haben wir es im beginnenden 18. Jahrhundert immer noch mit einer hohen Anzahl von Duellen und bewaffneten Schlägereien zu tun. Zwar war in Frankreich 1624 das Duell bei Todesstrafe verboten, aber es wurde auch regelmäßig begnadigt. In anderen Ländern duellierte man auch bei Verbot bis ins 19. Jahrhundert kräftig weiter. Kein Wunder also, dass der Autor dies verurteilt.

Spannend ist aber, dass der Autor in den „alten Zeiten“ der Fechtergilden schwärmt. Dass er die Schwerttänze und den angenehmen Klang der klirrenden Klingen hervorhebt. Hier vergisst er wohl, dass auch damals das Duellwesen und das gegenseitige Erschlagen ein nicht seltener Zeitvertreib war.

Wir haben den Abschnitt über das Fechten in das moderne Deutsch übertragen. Der Text findet sich ab Seite 315 des Buches.

Als Zweites kommen wir auf das Fechten. Nicht zwar zu reden von denen Lux- und Marx-Brüdern oder Klopf- und Federfechter, welche in großen Städten um geringen Gewinn willen, so sie von denen Zuschauern welchen bekommen, einander die Haut rechtschaffen zu bläuen pflegen, auch nicht von den alten deutschen Schwerttänzen, da man mit bloßen Schwertern den Reigen geführt und durch derer Zusammenschlagen einen anmutigen Klang verursachte, und auch dabei die Heldentaten der Vorfahren rechtschaffen herausgestrichen (und zwar in deutschen Reimen, welche man Meistergesänge genannt). Sondern von dem heutigen Fechten, welches man auf dem Fechtboden mit größter Mühe und oftmals mit dem Verderben seiner Gesundheit erlernt. Ich weiß nicht, woher es doch kommt, dass da hohe Potentaten so sehr eifern gegen das Duellieren, aber dennoch aller Orten öffentliche Fechtboden geduldet werden, wo man junge Leute lehrt, wie sie einander attackieren sollen. Ja, es dürften sich wohl einige unterstehen, zu rühmen, wenn etwa ein unglückliches Duell vergangen, dass ihre Belehrungen nicht vergeblich gewesen. Aber ist das nicht eher, eine Belehrung zu Hölle und Verdammnis?

Ach, wie so mancher verlässt sich auf seinen Degen und will rechter Eisenfresser sein, wird oftmals von dem aller Ungeschicktesten also gezeichnet, dass er Zeit Lebens daran zu gedenken hat, und nicht mehrheitlich der beste Fechter erstochen? Zwar ist nicht ohne, dass das Fechten in Bezug auf den Körper nicht wenig beiträgt, indem Glieder dadurch wacker gedehnt und gelenkig gemacht werden. Allein, das kann auch durch andere Übungen, ins besonders durch das Ballschlagen geschehen, und es bedarf dazu einer so gefährlichen Kunst nicht, welche auf Leib und Leben geht. Zwar im Krieg und in einer Schlacht könnte es etwas helfen, wenn alle Soldaten sowohl Offiziere als auch Gemeine, sich auf die Fechtkunst verstünden, allein wo findet man das!? Und die wenigsten, so sie auf den Fechtboden gehen, haben die Intention den Krieg zu ihrer Profession zu machen.

Doch weil es so Herkommens ist, dass ein junger Edelman Fechten muss, so wird der Hofmeister seinen Untergebenen auch in diesen Bereich etwas informieren lassen, und zwar bei einem aufrichten Fechtmeister, der kein Prahlhans, sondern es redlich meint. Es soll aber dieses Exerzitium so getrieben werden, damit es beides, der Gesundheit nicht schade, aber auch nicht nötigere Sachen, welche ordinär zu geschehen pflegen, dabei verabsäumt werden.

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